Schulmuseum und Chronik
Geschichte kennen. Gegenwart begreifen. Zukunft gestalten.
Im Sinne dieses Leitsatzes wird in der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz großer Wert auf die Förderung des Geschichtsbewusstseins der Schülerinnen und Schüler gelegt.
Bereits seit vielen Jahren engagieren sich Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 an verschiedenen Geschichtsprojekten wie zum Beispiel dem Luther-Jahr, dem 875-Jahre-Jubiläum der Stadt Chemnitz oder dem Bauhaus-Jubiläum.
In den letzten Jahren lag der Fokus auf der Erforschung der Geschichte unseres Schulgeländes. Dieses wurde 1905 als »Königlich-Sächsische Landeserziehungsanstalt für Blinde und Schwachsinnige« gegründet und war dem Wandel der Zeit und dem sich damit verändernden Verständnis für den Wert eines Lebens in besonderem Maße unterworfen. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich in der wöchentlich stattfindenden Geschichts-AG mit humanistischem Gedankengut und dem hohen Wert von »Bildung für alle« ebenso wie mit den Themen der Euthanasie-Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus`, denen auch viele Bewohner des Geländes zum Opfer fielen.
Die Jugendlichen waren von Beginn an aktiv am Projekt «Das Denkmal der Grauen Busse in der Kulturhauptstadt 2025 Chemnitz” beteiligt und haben sich dafür eingesetzt, die begleitende Wanderausstellung auch für blinde Menschen und Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, zugänglich zu machen. Die dabei entstandenen Audiodateien können unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.unantastbarmensch.de/die-wanderausstellung-zum-denkmal-der-grauen-busse-zum-hoeren.
Anschließend entwickelten die Schülerinnen und Schüler erste Ideen zur Einrichtung eines Schulmuseums, das sowohl die Entstehung der Einrichtung und des Geländes als auch die Entwicklung der Punktschrift sowie blinden- und sehbehindertenspezifischer Lehr- und Lernmaterialien für die Öffentlichkeit sichtbar machen soll.
Entstanden ist das »Museum im Schrank«, dass beim Öffnen der Türen wahre Schätze der Vergangenheit in Form von Fotografien, Lageplänen, historischer Fachliteratur und jeder Menge Realobjekten zum Vorschein bringt. Kombiniert sind diese mit den Rechercheergebnissen der Schüler, die Inhalte und Zusammenhänge der Objekte erklären. Zudem zeichnet sich das Museum durch die Kombination aus Zeugen alter Zeiten und einem multimedialen Ausstellungskonzept aus. Die Schüler führten Experteninterviews mit einem ehemaligen Schüler und einer ehemaligen Lehrerin, welche die Gegenstände und deren Funktionsweisen erklärten sowie demonstrierten. Entstanden sind dabei kleine Filmsequenzen, die über QR-Codes in der Ausstellung abgerufen werden können und unbekannte Dinge zum Leben erwecken. Die Besucher sind zudem eingeladen, die Exponate aus dem Schrank zu nehmen und selbst auszuprobieren.
Alle Inhalte sind barrierefrei zugänglich, indem ein stufenloser Zugang gewährleistet werden kann, Beschriftungen in Großdruck und Punktschrift vorliegen sowie alle Texte auch angehört werden können.
Wir haben Ihre Neugier geweckt? Kommen Sie gern vorbei und entdecken Sie unsere Schulgeschichte zum Anfassen. Die Schülerinnen und Schüler unseres Besuchsdienstes empfangen Sie gern nach Voranmeldung.
Zur Vereinbarung eines individuellen Termins senden Sie bitte eine E-Mail an: blindenschule@lbs.smk.sachsen.de
Blindenbildung in Sachsen
- Sommer 1808: Emanuel Gottlieb Flemming kommt nach Dresden
- ab 1809: Unterrichtung blinder Kinder in seiner Wohnung
- Flemming stirbt im Alter von 46 Jahren
- Fortsetzung seiner Arbeit durch seine Frau und seine Kinder
- Sohn Emanuel gründet 1843 eine Blindenanstalt in Hannover
- eine Flemmingtochter heiratet einen Blindenpädagogen aus Dresden und eröffnet dort eine Blindenvorschule und eine Blindenhilfsschule
- die Lehranstalt wird von Dresden nach Chemnitz verlegt
- Eröffnung der Landesanstalt für Blinde am 29.08.1905 durch den Staatsminister von Metzsch
- Blindenfürsorge »von der Wiege bis zur Bahre«
- im 1. Weltkrieg wurden einige Gebäude als Lazarett genutzt
- im 2. Weltkrieg wurden mindestens 270 »schwachsinnige« Menschen der Einrichtung als Folge der Euthanasiegesetze ermordet
- einige Häuser wurden wiederum als Lazarett genutzt
- Kriegsblinde erhielten hier medizinische und rehabilitative Versorgung
- nach 1945 wurden sowjetische Truppen untergebracht, da nur ein Gebäude (Haus 16) zerstört war
- ab 1951 Landesblindenanstalt
- nach der Gebietsreform hieß die Einrichtung nur noch Blindenanstalt
- größte und wichtigste Blindenbildungsstätte der DDR
- Bildung und Erziehung blinder Kinder von der Vorschule über die Schule bis zur beruflichen Ausbildung
- Erlangung der Hochschulreife an der Blindenschule in Königs Wusterhausen
- 1991 erfolgte die Übernahme der Schule mit dem Einrichtungsverbund in die Trägerschaft des Freistaates Sachsen
- 2005 erhielten wir den Titel »Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte«
- 2012 Abschluss der Rekonstruktion der Schulgebäude
- Umbenennung in Landesschule für Blinde und Sehbehinderte